Dänemark führte 1989 als erstes Land die eingetragene Partnerschaft ein. Was queere Reisende in Kopenhagen erwartet: Rechtslage, Bars rund um die Studiestræde und die Copenhagen Pride im August.
Warum Kopenhagen für queere Reisende einfach ist
Dänemark gehört zu den Ländern, in denen sich queere Gäste kaum Gedanken über die Rechtslage machen müssen. Gleichgeschlechtliche Sexualität ist seit 1933 nicht mehr strafbar, mit gleichem Schutzalter für alle seit 1977. Seit 1996 schützt ein Gesetz Menschen auf dem Arbeitsmarkt vor Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung. Gemeinsame Adoption ist für gleichgeschlechtliche Paare seit dem 1. Juli 2010 möglich. 1989 führte Dänemark als erstes Land der Welt die eingetragene Partnerschaft ein, sie trat am 1. Oktober 1989 in Kraft. Die Ehe für alle gilt seit dem 15. Juni 2012, auch kirchliche Trauungen in der Dänischen Volkskirche sind möglich. Wer legal sein Geschlecht ändern will, braucht seit 2014 weder Diagnose noch Sterilisation. Stand dieser Angaben: Oktober 2026, nach Wikipedia „LGBTQ rights in Denmark“. Laut Eurobarometer 2023 fanden 93 Prozent der Däninnen und Dänen, dass die Ehe für alle in ganz Europa erlaubt sein sollte. Vor einer Reise lohnt ein Blick in die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amts.
Die Stadt selbst gibt sich entsprechend gelassen. Visit Copenhagen schreibt, queere Menschen könnten sich überall in der Stadt sicher aufhalten. Eine Garantie ist das nicht, aber ein Hinweis darauf, dass du hier kein eigenes „Szeneviertel“ brauchst, um dich wohlzufühlen.
Wo du abends hingehst
Das Herz der Szene liegt in der Innenstadt, rund um die Studiestræde. Dort sitzen mehrere Bars dicht beieinander:
- Jailhouse CPH (Studiestræde 12) ist Bar und Restaurant im Gefängnis-Look, mit Gittern, Handschellen und Zellen im Raum.
- Masken Bar (Studiestræde 33) gilt als eine der ältesten Schwulenbars der Stadt und hat sieben Tage die Woche geöffnet, sonntags eingeschlossen.
- Trixie ist Cocktailbar und Club mit Schwerpunkt auf elektronischer Musik, ebenfalls an der Studiestræde.
- Never Mind beschreibt Visit Copenhagen als größten und beliebtesten Club der Stadt für LGBT+, mit Popmusik.
- Oscar Bar & Café liegt direkt am Rathaus, am Rainbow Square, und serviert auch Essen.
- Vela in Vesterbro nennt Visit Copenhagen die einzige ausschließlich lesbische Bar und den einzigen lesbischen Club der Stadt.
Am längsten besteht Centralhjørnet am Kattesundet 18. Für das Alter gibt es zwei Angaben: Eine dänische Quelle nennt 1917 als Eröffnungsjahr, Visit Copenhagen spricht von der ältesten LGBTI+-Bar Dänemarks und an anderer Stelle von der ältesten Schwulenbar der Welt. Ob der Weltrekord stimmt, ist nicht abschließend belegt. Sicher ist: Das Haus hat Geschichte, und von Oktober bis April gibt es dort sonntags Jazz und Dragshows.
Wer Kultur sucht, findet sie im Bøssehuset. Das ist kein Club, sondern ein Veranstaltungsort für schwule, lesbische und trans Menschen, mit Theater, Musik, Ausstellungen und Gesprächen. Das Café Intime in Frederiksberg gibt es seit 1922; nach Angaben von Visit Copenhagen wurde es mit der Zeit zu einem Treffpunkt für Homosexuelle.
Öffnungszeiten ändern sich. Schau vor dem Besuch auf die Seiten der Betriebe. Barnamen und Adressen sind der Stand der Quellen vom Oktober 2026, und gerade kleinere Bars ziehen um oder schließen.
Copenhagen Pride
Die Pride Week findet jedes Jahr im August statt. 2026 lief sie vom 8. bis 16. August, mit der Parade am Samstag, dem 15. August. Es war die 30. Ausgabe, die erste Parade war 1996. Die Parade führt vom Rathaus Frederiksberg zum Rathausplatz Rådhuspladsen, der in dieser Woche Pride Square heißt. Dort stehen eine Hauptbühne, ein Debattenzelt, ein queerer Flohmarkt, Dragabende, ein Kinder-Pride und ein Abschlusskonzert. Der Eintritt zum Pride Square ist frei.
Zahlen zu Besucherinnen und Besuchern schwanken je nach Quelle stark, von 25.000 Teilnehmenden an der Parade bis zu mehreren hunderttausend Gästen im Lauf der Woche. Verlass dich nicht darauf, sondern buche Unterkunft früh. Das Programm im Detail steht auf copenhagenpride.dk.
Praktische Tipps
- Unterkunft: Das Zentrum und Vesterbro liegen nah an den Bars. Für die Pride Week empfiehlt sich frühes Buchen.
- Verkehr: Die Metro betreibt für den Paradetag eine eigene Seite mit vier Haltestellen, von denen aus du die Strecke sehen kannst (m.dk).
- Grönland und Färöer: Sie gehören zum Königreich Dänemark, haben aber eigene Gesetze. Die Ehe für alle wurde in Grönland 2016 eingeführt, auf den Färöern 2017.
Vor der Abreise
Schau kurz in die aktuellen Reisehinweise des Auswärtigen Amts und prüfe Öffnungszeiten direkt bei den Bars. Bei Pride-Terminen gilt: Das Datum der nächsten Ausgabe steht auf copenhagenpride.dk, nicht in diesem Text.
Häufige Fragen
Quellen
- en.wikipedia.org · LGBTQ_rights_in_Denmark
- visitcopenhagen.com · lgbtq-cafes-bars-and-nightlife-copenhagen
- resonans.dmjx.dk · 110911
- m.dk · pride-parade-2026-experience-the-colorful-parade-from-4-metr...
- copenhagentourism.org · copenhagen-pride-guide
Zuletzt geprüft: 27. Oktober 2026